Wertschätzung

eingetragen in: Allgemein | 0

Meeting

„Die einzige Möglichkeit, Menschen nachhaltig zu motivieren, ist die wertschätzende Kommunikation“, sagte Lee Iacocca, amerikanischer Geschäftsmann. Also heißt „wertschätzen“ schleimen bis der Arzt kommt? Nein! Der Begriff Wertschätzung wird auch als Synonym für Respekt und Akzeptanz verwendet. Jemanden wertzuschätzen heißt, achtsam, freundlich und höflich zu sein. Lob ist dagegen die Anerkennung einer besonderen Leistung. Das Lob dient unter anderem vielen Vorgesetzen als „Motivationsspritze“. Der Wert des Lobes steigt mit der Kompetenz oder der „Macht“ des Lobenden. Und damit, wie oft und auf welche Weise gelobt wird…

Danke und Bitte

Meine lieben Leserinnen und Leser, ich danke Ihnen. Gerade jetzt, da ich diese Zeilen schreibe. Ich danke für Ihr Da- sein, Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Zuhören, Ihre Geduld, für jedes Lächeln, das Sie mir schenken, auch wenn ich es nicht sehe. Wenn ich mir das nicht vorstellte und mir erhoffte, würde ich ja jetzt sofort aufhören mit der Arbeit. Dann wäre sie sinnlos.  Also: danke!

Ich danke − falls Sie mir schreiben wollen − für Ihre Ehrlichkeit und Direktheit, denn damit unterstützen Sie mich.

Für mich ist das Wort „Danke“ einer der entscheidenden Schlüssel zur Wertschätzung. Sie haben es ja gehört: Wir können uns selbst und anderen Menschen für so vieles danken und für noch viel mehr: für Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Interesse, Hilfe, einen Hinweis, für gute Zusammenarbeit und ein gutes Gelingen, fürs Mitdenken, für die Freundschaft, gute Nachbarschaft, den Anruf, den Besuch, das Gespräch. Für große und für kleine Dinge. Jedes ernst gemeinte „Danke“ kommt auch dem Dankenden zugute. Ganz sicher!

Das Wort „Bitte“ gilt generell als höflich. Es hat allerdings gegenüber dem Wort „Danke“ einen Nachteil. Als Bittender haben wir einen tieferen Status und der ist manchmal fehl am Platz

Szenen aus Fliesenbranche, Buchhandel und Heim

Willi Dampfler im Gespräch mit Frau Schmoll, seine Stimme klingt hoch und vorsichtig, der Oberkörper ist vorgebeugt: „Entschuldigung, Frau Schmoll, haben Sie bitte zwei Minuten Zeit, ich möchte ganz kurz mit Ihnen reden. Es dauert auch nicht lange ….“ Mögliche Antwort: „Es tut mir leid, Herr Dampfler, jetzt ist eigentlich ganz schlecht, ich habe gleich einen Kunden. Worum geht es denn?“

Nun fängt ein Gespräch an, das gar nicht stattfinden soll, weil einer der Gesprächsteilnehmer keine Zeit hat. So etwas macht wenig Sinn, das führt zum Stau. Ungeduld und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Und: Es dauert wahrscheinlich länger als zwei Minuten … das tut es meistens bei dieser Ausgangslage.

In Stines Buchladen: Frau Braun schreibt gerade eine private Email, Stine kommt ins Büro, sie lächelt verlegen und legt den Kopf schief: „Entschuldigung, würden Sie sich bitte mit Ihrer Email ein wenig beeilen, wenn’s geht, ich muss dringend an den PC.“ Mögliche Antwort: „Ich mache ja schon schnell, Frau Büchner. Das Ding ist so langsam, ich kann doch nichts dafür.“ Dieser Umgangston ist keineswegs unfreundlich gemeint, allerdings für beide etwas unbefriedigend und wenig zielführend.

Wir alle kennen Situationen wie diese:

Alex Zuhause zu ihrem Mann „Lass mich doch bitte mal fünf Minuten in Ruhe. Ich bin kaum zu Hause und gleich geht die Hektik weiter …“ Mögliche Antwort von ihm: „Ja, glaubst du, ich habe den ganzen Tag die Füße hochgelegt?“ Hier schenke ich mir jeden Kommentar. Viele von uns ahnen, wie es weitergeht.

Warum bitten wir um etwas, wofür wir uns auch bedanken könnten. Wenn wir „Danke“ sagen, haben wir automatisch den Fokus auf dem positiven Aspekt, sind wertschätzender, heben gleichzeitig unseren Status und den des Mitspielers.

Hören wir uns die Szenen nochmal an, diesmal mit Danke statt Bitte:

Willis Gespräch mit Frau Schmoll klingt dann so: „Frau Schmoll, ich möchte ganz kurz mit Ihnen reden, es ist dringend.  Ich danke im Ihnen im Voraus, dass Sie mir jetzt kurz zuhören, ich weiß Ihre Aufmerksamkeit zu schätzen. Es geht um Folgendes…“ Die wertschätzende Haltung und die klare Ansage erleichtern den Einstieg und die Konzentration. Auch Frau Schmoll fühlt sich auf diese Weise besser in dem Gespräch mit ihrem Chef. Unsicherheit verunsichert, vor allem die Unsicherheit von Vorgesetzten. Willis Stimme klingt nach einigen Übungsrunden im stillen Kämmerlein mit diesem Satz fester, das Dauergiggeln kann er lassen und sein Körper spielt durchaus selbstbewusster mit.

Stine sagt probehalber hoch aufgerichtet, mit Blickkontakt, klarer Stimme und einem kleinen Lächeln: „Frau Braun, ich brauche den PC ganz kurz, ich erwarte eine dringende Mail. Danke, dass Sie mich kurz dranlassen, das ist nett von Ihnen. Sie sind gleich wieder am Zug.“ Es braucht auf beiden Seiten keine weiteren Erklärungen und Rechtfertigungen. Wenn Stine sich an den neuen Ausdruck gewöhnt hat, kann sie natürlich zu einem „Bitte“ zurückkehren, wenn sie möchte. Die innere Haltung ist nach wie vor der Regisseur auf der inneren Bühne. Der Ton macht eben die Musik. Worte helfen uns, unser eigenes Stück zu spielen und laden die Mitmenschen ein, auf die eine oder eben auf die andere Art die Szene mit zu gestalten.

Alex zu ihrem Mann: „Ich brauche jetzt bitte fünf Minuten Abstand und Ruhe. Danke für deine Rücksicht, ich weiß das sehr zu schätzen.“ Er: „Ja, alles klar!“ Alex Gesamtausdruck war unmissverständlich wertschätzend und deutlich. Und so kommt ihre Botschaft bei ihrem Mann auch an. Das sind Sätze, die für Klarheit sorgen. Ungewohnt sind sie, stimmt. Kurz und dennoch höflich. Weitschweifige Erklärungen verwirren den Zuhörer häufiger als wir glauben.